Über mich

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„Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser wird, wenn es anders wird.
Aber so viel kann ich sagen: es muss anders werden,
wenn es besser werden soll!“

Georg Christoph Lichtenberg

Mir liegt das Revolutionäre quasi per Geburtstermin in den Genen – ich bin Jahrgang 1968. Ich wurde geboren im November dieses bewegten Jahres, eigentlich sollte ich ein Christkindlein werden, das hat aber leider nicht ganz geklappt, weshalb ich dann in der Folge versucht habe, wenigstens ein halbwegs passables Christenkind zu werden.

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Meine ersten Gehversuche in diese Richtung habe ich im zarten Alter von 14 Jahren gemacht, genau eine Woche vor meiner Konfirmation. Da wurde ich nämlich getauft, ganz heimlich, damit die Gemeinde nicht bemerkt, dass hier etwas ungeheuerliches vor sich geht, dass nämlich ein Heidenkind ein Jahr lang den Konfirmandenunterricht mit seiner unwürdigen Anwesenheit beschmutzt hat. Ich kann mich auch noch gut an die Worte meines damaligen Pfarrers erinnern. Er meinte beim Vorgespräch zur Anmeldung zum Konfirmandenunterricht, dass er nicht sicher sei, ob das was wird, schließĺich kannte er mich aus dem Religionsunterricht und dort kam es bisweilen vor, dass das Heidenkind unflätige Bemerkungen von sich gab – heute würde man sagen, ich habe den Konfirmandenunterricht „kritisch begleitet“. Nun ja, kurz nach der Konfirmation begann dann bereits meine „Karriere“ in der Evangelischen Kinder- und Jugendarbeit (das darf man nicht sagen, bei uns Evangelen werden schließlich keine Kinder zur Arbeit gezwungen) im Evangelischen Jugendwerk, wo ich meine erste Gruppe geleitet habe, ich war 15 und die mir anvertrauten kleinen Christenkinder waren zwischen 8 und 11. Man nannte das damals „Jungschar“ und ich glaube, diesen für moderne Ohren leicht befremdlichen Namen haben diese Gruppen heute immer noch.

Mein weiteres Leben verlief dann eher mäandernd, ich habe nach einem relativ kurzen Gastspiel von nur drei Jahren meinen Vertrag mit dem örtlichen Gymnasium nicht mehr verlängert, ich glaube, es beruhte auf Gegenseitigkeit, wir hatten einfach das Interesse aneinander verloren. So lernte ich also in den Sommerferien zwischen der 7. und 8. Klasse eine neue Fremdsprache, da ich mit der schönen Sprache Latein meine Karriere als weitergeführter Schüler begann, womit ich mir zwar heute medizinische Fachbegriffe und sonstige Fremdwörter häufig wunderbar herleiten aber sonst nicht allzu viel anfangen kann und damals so rein gar nichts, weil Englisch und Latein nur sehr, sehr eingeschränkt etwas miteinander zu tun haben. Was aber meiner Begeisterung für diese und andere Sprachen und Dialekte keinen Abbruch tat und auch der deutschen Sprache bin ich bis zum heutigen Tag in tiefer Liebe zugetan.

Nach dem abrupten Ende meiner Schullaufbahn, die in einer für alle Beteiligten überraschend guten Mittleren Reife ihren vorläufigen Höhepunkt fand, kam die schwere Entscheidung, was aus dem Jungen denn mal werden soll, wenn er groß ist. Auf das Großwerden warte ich bis heute, die Frage nach der Berufswahl hat sich dann doch erstaunlich schnell entschieden. Nach kurzfristigen Verirrungen in Richtung Hotelkaufmann, Restaurantfachmann, Diätassistent (wer mich kennt, weiß, warum damals nicht nur ich herzlich lachen musste, als mir das Arbeitsamt, genauer gesagt, das „BIZ“ diesen gewagten Vorschlag unterbreitet hat) und meine beiden Traumberufe „Jugendreferent bzw. Diakon“ und „Buchhändler“ aus unterschiedlichsten Gründen leider nicht zu realisieren waren, wurde ich von meinen Eltern dazu entschlossen, dass ich gerne Schriftsetzer werden möchte.

Wer damit nichts anfängt: das waren die, die Bücher und Zeitschriften gestaltet haben, bevor es billige DTP-Programme für jedermann zu kaufen gab. Den Übergang ins digitale Zeitalter hat diese Berufsbezeichnung leider nicht geschafft, ebenso wenig ich, denn nach einer relativ ernüchternden Ausbildungszeit und der Erkenntnis, dass wer gerne Bücher liest noch lange nicht gerne Bücher macht. Doch rückblickend betrachtet, waren diese Zeit für mich schon sehr prägend, habe ich in dieser Zeit doch sehr viel über Ästhetik, Typografie, schöne Bücher und hässliche Bücher gelernt. Dennoch wollte ich bereits nach einem Jahr nicht mehr in diesem Beruf arbeiten, auch wurde es mir in meiner Heimatstadt Stuttgart zu eng, weshalb ich mich folgerichtig deshalb und wegen meines Interesses an der Politik im Allgemeinen und der Bundespolitik im Besonderen dafür entschloss, vorläufig in eine noch kleinere und engere Stadt auszuwandern, eine Stadt, die heute nur noch die Älteren kennen werden, weil sie zwischenzeitlich in völliger Bedeutungslosigkeit versunken ist. Ich ging für insgesamt vier Jahre nach Bonn.

Bereits mit frühen Jahren habe ich begonnen, mich für Politik zu interessieren. In der Realschule war ich der einzige, der es gewagt hat, sich freiwillig und völlig ohne Not einer mündlichen Prüfung in Geschichte und Gemeinschaftskunde auszusetzen, als es um die Frage der „Wahlfächer“ zur mündlichen Prüfung zur Mittleren Reife ging. Meine Entwicklung zum politisch denkenden Menschen verlief in ähnlich grotesken Bahnen wie mein sonstiges Leben. Ich habe vieles einfach mal für eine Weile ausprobiert, um schließlich zu erkennen, dass es doch nicht für mich geeignet ist.

Mit zarten 14 Jahren (also ungefähr während meiner religiösen Menschwerdung) trat ich der Sozialistischen Deutschen Arbeiter-Jugend (SDAJ) bei, definierte mich so weit links wie irgendwie möglich, sympathisierte kurz darauf für die kurz zuvor neu entstandenen Grünen, ohne hier jedoch eine Mitgliedschaft anzustreben und wurde im späteren Verlauf meiner Adoleszenz durch den sanften Druck meines männlichen Erziehungsberechtigten Mitglied der Jungen Union. Leider – oder aus heutiger Sicht „Gott sei Dank“ endete diese Karriere jedoch auch sehr schnell wieder, und ein leichter Drang nach links durchbebte meinen jungen und politisch sehr bewegten Leib. Noch nicht in der Lage, mich des väterlichen Drucks in Gänze zu entledigen, trat ich also aus der „JU“ wieder aus und in die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) ein. Die galt damals als „links“ innerhalb der CDU und ihre Jugendorganisation, die „Junge Arbeitnehmerschaft“ war (zumal auf Bundesebene) gar so etwas wie die revolutionäre Zelle der Union. Hier fühlte ich mich für eine ganze Zeit lang wohl, konnte ich doch das bürgerliche Mäntelchen anbehalten, gleichzeitig aber wunderbar linke Philosophien näher kennenlernen und mich mit ihnen auseinandersetzen. Es gelang mir sogar so etwas wie eine kleine Karriere in der „JA“, ich wurde für eine kurze Zeit deren Bundespressesprecher. Leider tat ich den Fehler, mich in eine Mitstreiterin zu verlieben, was mich erst den Verstand und dann auch sowohl das politische Ehrenamt als Bundespressesprecher wie auch das Hauptamt als Regionalsekretär der CDA in einem Kaff im Vogelsbergkreis kostete. Ich war nicht mehr Herr meiner Sinne und vernachlässigte so ziemlich sämtliche Pflichten, die mit diesen beiden Ämtern einhergingen. Der Bruch mit dem Konservatismus kam dann – nach einem zunächst schleichenden Prozess – ziemlich rasch mit der schamlosen Vergewaltigung des Grundrechts auf Asyl durch die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung Anfang der neunziger Jahre nach den furchtbaren Anschlägen auf Asylbewerberwohnheime in Rostock-Lichtenhagen, Mölln und Solingen. Die Logik „Wenn es keine Asylbewerber mehr gibt, gibt es auch keine Gewalt gegen Asylbewerber mehr“ und die daraus resultierende logische Konsequenz, es nahezu unmöglich zu machen, auf legalem Weg als Verfolgter nach Deutschland einzureisen und eine Anerkennung als Flüchtling aus welchem Grund auch immer zu erhalten, war für mich mit dem „C“ im Namen der CDU und ihrer Untergruppierungen fortan nicht mehr zu vereinbaren. Schließlich waren die weltlichen Eltern von Jesus Christus, auf dessen Namen sich diese Partei beruft, selbst so etwas wie Flüchtlinge, als sie in Bethlehem im Stall ihr Kind zur Welt bringen mussten, weil sie keinen Platz in der Herberge fanden. Und eine Partei, die sich einerseits mit dem Namen Christi schmückt, andererseits aber derart menschenverachtende Politik machen konnte (und heute wieder kann), kann meine Heimat nicht sein. 

Bertrand Russell soll einmal gesagt haben „Wer in seiner Jugend kein Kommunist war, hat kein Herz, wer es im Alter immer noch ist, hat keinen Verstand“ – nun denn, ein Kommunist bin ich nicht, aber doch ein überzeugter Linker, weshalb ich nach Russell doch die Hoffnung haben darf, wenigstens über einen rudimentär vorhandenen Verstand zu verfügen. Bin ich doch im Lauf der Jahre sukzessive weiter nach links gerückt und heute kurz davor, das erste mal nach mittlerweile mehr als 25 Jahren praktiziertem aktivem wie auch passivem Wahlrecht mein Kreuz bei der LINKEn zu machen. Mein besonderer Dank in diesem Zusammenhang gilt den Grünen, deren Mitglied ich eines Tages dann doch für ein paar Jahre wurde, und die es geschafft haben, mich innerhalb von nur fünfzehn Jahren in nahezu sämtlichen Situationen, in denen ich mir Aufrichtigkeit, Rückgrat und politische Selbständigkeit erhofft hatte, bitter zu enttäuschen, angefangen mit den Entscheidungen, aktiv in Kriegsgeschehen einzugreifen, über ihre Beteiligung am Entstehen der Hartz-IV-Gesetze und die seltsame Wandlung bei Stuttgart 21 von der Gegnerschaft über die „kritische Begleitung“ zur Befürwortung durch prominente und einflussreiche Grüne bis hin zur Unterstützung der diversen Banken- und Euro-Rettungsschirme, wo sie der Kanzlerin der toten Herzen in geradezu wollüstiger Selbstaufgabe hinterhergedackelt sind.

Nun sind wir fast schon am Ende meiner Selbstbeschreibung, ich sollte noch erwähnen, dass ich, nachdem ich mich mehrere Jahre um meine an Demenz erkrankte Oma gekümmert und sie bis zum Tod begleitet habe, mich für eine neue berufliche Laufbahn in der Altenpflege entschieden habe. Nach zwei Jahren der Ausbildung zum examinierten Altenpfleger musste ich diese Ausbildung aber leider aufgeben, nicht etwa, weil ich dem Druck der Ausbildung oder der zweifellos stark vorhandenen körperlichen wie seelischen Belastung nicht standgehalten habe, sondern deshalb, weil ich durch eine nahezu zweijährige Mobbing- bzw. Bossing-Erfahrung eine Depression mit Burn-Out-Syndrom entwickelt habe.

Jetzt engagiere ich mich in sozialen Netzwerken in verschiedenen Themenbereichen, die mir am Herzen liegen, insbesondere der gesamte Komplex um Stuttgart 21, das leider immer aktueller werdende Problem des Rechtsextremismus, alles, was mit dem Thema Pflegenotstand zu tun hat und noch einige weitere, allerdings eher stadtpolitisch relevante Themen.

Weiterhin hoffe ich darauf, im Herbst 2013 eine Ausbildung zu Alltagsbegleiter antreten zu können, weil ich nach wie vor dafür brenne, mein weiteres berufliches Leben mit alten und kranken Menschen zu verbringen, ich mir die Pflege am Bett als nicht examinierter Pflegehelfer aber nicht vorstellen kann, weil ich dort überhaupt keine Gestaltungsmöglichkeiten hätte, den durch die jahrzehntelange totale Unfähigkeit der Politiker aller Parteien entstandenen horriblen Pflegenotstand für mich und die mir anvertrauten Menschen wenigstens kurzzeitig abzufedern.

Es gäbe noch so viel zu erzählen aus meinem wechselhaften Leben, aber für das Erste soll dies genügen.

Ich hoffe, ich habe Sie/Dich nicht allzu sehr abgeschreckt und würde mich freuen, auch in Zukunft viele geneigte und interessierte Leser auf meiner Seite begrüßen und vor allem zum Mitdiskutieren einzuladen.

Stuttgart, im Mai 2013

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