Lieber F. J. Wagner…

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Heute fand ich beim Durchstöbern meiner vielen facebook-Nachrichten auch einen Link zu einer Kolumne oder Glosse von Franz-Josef Wagner. Wagner ist „Chef-Kolumnist“ der BILD-Zeitung, was im Grunde nichts anderes bedeutet, als dass er seine seltsamen Ansichten in Form offener Briefe an prominenter Stelle im Kampfblatt der erzürnten Volksseele einem staunenden Publikum aus fachkundigen Lesern mitteilen darf.

Sein durchaus „schillernder“ Lebenslauf liest sich laut wikipedia folgendermaßen:

Wagner wuchs (…) in Regensburg auf (…). Er besuchte dort eine Klosterschule, bestand jedoch die Abiturprüfung nicht und verließ die Schule ohne Abschluss. (…) Ab 1966 arbeitete er beim Axel-Springer-Verlag, unter anderem als Kriegsberichterstatter und Chefreporter für die Bild. In den 1970er Jahren arbeitete er nebenher als Ghostwriter für Franz Beckenbauer und Udo Jürgens. Er arbeitete zu dieser Zeit auch mit Josef von Ferenczy zusammen und wurde für ihn als Autor tätig (…) 1988 wechselte Wagner zum Burda-Verlag nach München und wurde Chefredakteur der Boulevard-Zeitschrift Bunte. Bei Burda entwickelte er (…) auch die Zeitschriften Elle und Superillu. 1991 folgte die Boulevard-Zeitung Super!, deren Chefredakteur Wagner wurde. Sie war als Ost-Konkurrenz zu Bild gedacht, wurde aber nach einem Jahr wieder eingestellt. Mit Wagners Schlagzeile „Angeber-Wessi mit Bierflasche erschlagen – Ganz Bernau ist glücklich, daß er tot ist“ vom 3. Mai 1991 verlieh er Super! bereits am zweiten Erscheinungstag das Image eines Revolverblatts.

Nun schreibt Wagner also heute einen Brief an Ed Snowden, den „Prism“-Whistleblower und derzeitigen „Enemy No. 1“ der USA. Ich erspare meinen Lesern diesen Brief, auch aus urheberrechtlichen Gründen, wer ihn gerne vor oder nach der Lektüre meines „Briefs“ an F. J. Wagner lesen möchte, kann das hier tun.

Sicherlich freut sich Herr Wagner über meinen Brief ebenso sehr wie die Menschen, die er täglich oder in welchem Turnus auch immer mit seinen Elaboraten beglückt:

 

Lieber F. J. Wagner,

Sie sind Kolumnist bei BILD. BILD lebt davon, die dreckige Wäsche unwichtiger C-Promis zu enthüllen. Bild hört Schlafzimmergespräche mit und liest gelegentlich eMails, die ihr zugespielt werden, die sie aber eigentlich nichts angehen.

Für viele ist BILD eine Zeitung, ein Informationsmedium, ihre tägliche Frühstückslektüre.

Was ich mich frage ist, wenn BILD einfach mal nicht jeden Tag aufs Neue die Menschen in Deutschland mit ihren peinlichen Lügengeschichten penetrieren würde, was das für eine angenehme, vom „Volkszorn“ befreite Atmosphäre für uns alle hätte.

Wie alt Sie sind, ist mir egal. Ich mag Sie nicht. Sie schreiben für BILD, sensibel können Sie also schon mal nicht sein. BILD sagt, jede Wahrheit braucht einen mutigen, der sie ausspricht. Gerne: das, was Sie da schreiben, ist riesengroßer Mist.

Ich mag öffentliche Altpapiersammelstellen. Man kann darin so schön BILD-Zeitungen einwerfen. Ich bin lieber gut informiert anstatt BILD-Leser.

Herzlichst,

Ihr

Ralf Maier

PS: Ich möchte auch nicht überwacht werden. Denn die Alternative zu „nicht überwacht werden“ ist nicht „tot“, sondern „in einem freien Land leben“.
vor einigen Sekunden

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