Es geht grad so weiter…

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Und wieder kommt neues, ebenso unglaubliches wie unerträgliches Material über die „Ermittlungspannen“ der Strafverfolgungsbehörden und der diversen Dienste in Sachen „NSU“  ans Tageslicht. So soll eine Zeugin an dem Tag, als Ismail Yasar mutmaßlich von Mundlos und Böhnhardt in Nürnberg ermordet worden ist, zwei Männer mit Fahrrädern beobachet haben, die sich ganz offensichtlich zumindest „verdächtig verhalten“ haben.

Publikative.org schreibt dazu in dem Aritkel „NSU: Zeugin erkannte Rechtsterroristen wieder“:

Die bayerischen Ermittler haben einen möglicherweise entscheidenden Hinweis einer Zeugin nicht ausreichend verfolgt. Das wurde im NSU-Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags deutlich. Eine Frau hatte in Nürnberg kurz vor einem der Morde zwei Männer beobachtet – und diese später auf einem Video vom Anschlag in Köln wieder erkannt.

Das Verhalten des damaligen Vernehmungsbeamten der Zeugin, Kriminalhauptkommissar Hans-Karl Ruppe vor dem Untersuchungsausschuss beschreibt publikative.org anschaulich:

Geradezu dreist beharrte er auf seiner „Erinnerung“ und behauptete, das angefertigte Protokoll würde exakt die Aussgen Wagners gegenüber der Polizei wiedergeben. Erst auf mehrmaliges Nachfragen des Ausschussvorsitzenden Franz Schindler (SPD) hin räumte der Kriminalhauptkommissar ein, dass die heute 46-jährige Zeugin die beiden Neonazis in dem Video nicht nur „ziemlich sicher“, sondern mit hoher Sicherheit erkannt habe. Warum die Version im Protokoll der Polizei abgeschwächt wurde, konnte er sich nicht mehr erklären.

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Es war wohl auch hier, wie es immer war. Die Polizei hatte, in Köln, München, Nürnberg ihr Urteil längst gefällt: die Opfer waren “Ausländer”, also war auch die Tat eine Tat “unter Ausländern”, “im Drogenmillieu” oder “im Geldwäschemillieu”. Andere Spuren wurden als nicht relevant verworfen, verschleppt, verschlampt. Klare Indizien, ja sogar Zeugenaussagen, die in eine klar andere Richtung weisen, werden unterschlagen, in ihrer Brisanz durch die eine oder andere Formulierung “entschärft” oder gehen “verloren”. Und natürlich können die Beamten sich nach so vielen Jahren mit der Behauptung rausreden, sich nicht mehr so genau erinnern zu können. Wer von uns weiß denn schon, was ihn vor zwei, drei, fünf oder in diesem Fall fast zehn Jahren umgetrieben, womit er sich beschäftigt hat.

“Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube” lässt Goethe seinen Faust sagen, zwar in anderem Zusammenhang, aber dennoch passt das berühmte Zitat auch hier. ich kann es einfach nicht glauben, dass in einem Staat wie Deutschland, der international dafür bekannt und auch geschätzt ist, dass hier besonders gründlich, besonders ordentlich, ja pedantisch und pingelig gearbeitet und vor allem bürokratisiert wird, dass ausgerechnet hier so “schlampig” gearbeitet wurde.

Sebastian Edathy, der Vorsitzende des „NSU“-Untersuchungsausschusses im Bundestag, bringt es auf den Punkt, wenn er die Arbeit des Ausschusses auf den Punkt bringt: Eine Serie von unerträglichen Schlampereien, bei der bisher keine Erkenntnis darüber vorliegt, ob hier aus Vorsatz oder doch “nur” unglaublich dilettantisch gearbeitet wurde. “Bisher” heißt ja nichts anderes als “Wir sind noch nicht so weit, dies abschließend beurteilen zu können”. Hoffen wir, dass auch in der nächsten Legislaturperiode ein Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags zusammenkommen wird und hoffen wir, dass dann die Wahrheit ans Licht kommt und nicht nur eine unerträgliche Serie von schlechten Gefühlen, die alle letztlich in eine Richtung weisen, aber nicht konkret genug sind, sie in Worte fassen oder dingfest machen zu können. Hoffen wir weiter, dass das auch beim bayerischen Untersuchungsausschuss eines Tages der Fall sein wird.

 

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